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Was Paare zusammenhält – eine Umfrage in langjährigen Partnerschaften

Eine Umfrage unter Männern und Frauen in langjähriger Partnerschaft

Ein grosser Teil der Seminare, die im Waldhaus stattfinden, ist darauf ausgerichtet, mehr Bewusstheit, Liebe und Authentizität ins Beziehungsleben zu bringen. Zwar bricht die Scheidungsrate in Europa fast jährlich Rekorde, zugleich kennen wir im Umfeld des Waldhauses zahlreiche Paare, die seit vielen Jahren in lebendiger Partnerschaft leben. Wir wollten von ihnen wissen, wie sie das schaffen, was ihnen in Krisen hilft und was ihnen das Wertvollste an ihrer Beziehung ist.

Was hat am wesentlichsten dazu beigetragen, dass ihr so lange miteinander in Beziehung seid?

Gudrun & Uli (31 gemeinsame Jahre, 2 Kinder)
Gudrun: Dem anderen Freiheit und Raum für sich selbst zu geben. «... lasst Raum zwischen euch, lasst die Winde des Himmels tanzen zwischen euch ... Füllet einander den Kelch, aber trinket nicht aus demselben Becher ... » (K. Gibran)
Uli: Der Wille dazu und die Überzeugung, dass die Früchte nicht nur kurzfristig zu ernten sind. Der Respekt vor der Leistung der Partnerin in den wesentlichen existentiellen Fragen: Kindererziehung, Heim einrichten, Betrieb entwickeln, Verantwortung übernehmen ...

Ingeborg & Thomas (25 gemeinsame Jahre, 2 Kinder)
Ingeborg: Wir haben in gegenseitiger Co-Abhängigkeit gelebt und hatten lange Zeit nicht den Mut und das Handwerkszeug, uns zu öffnen. Obwohl wir uns oft sprachlos, nicht akzeptiert und gegenseitig unverstanden fühlten, liebten wir es beide, Kinder zu haben und eine Familie zu bilden. Lange wünschten wir uns beide eine glücklichere und harmonischere Partnerschaft, wussten aber nicht, wie wir dazu kommen sollten. Auf der Suche nach einem Ausweg aus der schmerzhaften Partnerschaftssituation begann ich, Seminare zu besuchen und begab mich in Therapie. Nach und nach zeichnete sich daraufhin eine Wende in unserer Paarbeziehung ab. Ich fand Wege, die auch meinen Partner bewogen, sich intensiver mit sich selbst auseinanderzusetzen. Es öffnete sich ein kleiner Bereich des gegenseitigen Vertrauens, der allmählich grösser wurde.
Thomas: Den wesentlichsten Beitrag sehe ich in unseren Kindern, die uns nach wie vor verbinden.

Christina & Rolf (46 gemeinsame Jahre, 3 Kinder, 4 Enkelkinder)
Christina: Wir haben uns immer wieder daran erinnert, dass wir uns lieben und haben das Verbindende gesucht. Ich lernte mit der Zeit, mich mehr auf das zu konzentrieren, was zwischen uns möglich ist und weniger dem nachzutrauern, was fehlt. Der Wille, immer wieder einen Weg zu finden.
Rolf: Die Liebe, die Vertrautheit, die Kinder, die Alltagstauglichkeit, Nähe und Distanz.

Gabriela & Thomas (11 gemeinsame Jahre, 5 Kinder aus früheren Beziehungen, 1 Enkel)
Gabriela: Das Interesse aneinander, der achtsame Umgang und die immer wieder gezeigte gegenseitige Wertschätzung. Ich finde die Begegnungen mit Thomas immer noch spannend und berührend. Hilfreich finde ich auch, gemeinsame Interessen und Themen zu entwickeln. Mindestens einmal pro Jahr besuchen wir zusammen einen Kurs und begeben uns in gemeinsame neue Erfahrungswelten.
Thomas: Grundlegend ist, dass wir einander annehmen können, so wie wir sind, mit allen Facetten, mit Sonnen- und Schattenseiten – oder uns dieses Annehmen immer wieder neu erarbeiten. Und dass wir einigermassen geschickt balancieren lernen auf dem Grat zwischen der Suche nach Verbindung einerseits und dem Gestalten und Gewähren von eigenen Freiräumen andererseits.

Gatha & Pedro (15 gemeinsame Jahre)
Gatha: Nach meiner letzten Trennung hatte ich mir eine Liste angelegt mit den Attributen, die ich von meinem künftigen Partner wünsche, und Pedro bringt diese Punkte ziemlich genau mit. Auch haben wir die gleiche spirituelle Basis, wir waren beim gleichen Meister, erfuhren dieselben Teachings und machten dieselbe Basisarbeit an uns (Co-Abhängigkeit, Primärtherapie, Path of Love etc.).
Pedro: Mir gefällt Gatha, ihre Herzlichkeit, ihr Aussehen, ihre jugendliche Energie, dass wir mit Osho denselben spirituellen Hintergrund haben, die gemeinsame Liebe zur Musik, zur Natur, zu Achtsamkeit!

Ela Pravrati & Volker (23 gemeinsame Jahre, 3 Kinder)
Ela Pravrati: Am allermeisten das Making Love Retreat mit Diana und Michael Richardson. Unsere Kinder und jede Menge Bewusstseinsarbeit mit uns selbst und auch als Paar.
Volker: Ein Verständnis und eine Offenheit für die Interessen des anderen. Die gemeinsame Basis, die wir über das Making Love Retreat erlangt haben und natürlich unsere Familie mit drei Kindern.

Therese & Patrik (28 gemeinsame Jahre, 2 Kinder)
Therese: Ich sehe Beziehung als Plattform für Entwicklung, für gemeinsame und eigene Prozesse, und diese haben in unserer Beziehung auch stattgefunden.
Patrik: Dass wir es immer wieder schaffen, neue gemeinsame Projekte zu realisieren, z.B. unsere einjährige Weltreise mit den schulpflichtigen Kindern oder unser grosses Engagement in der gemeinschaftlichen Wohnsiedlung. Letzteres hat unseren Kindern eine vorstädtische Bullerbü-Kindheit ermöglicht und unsere Paarbeziehung ungemein entlastet.

Was hat euch geholfen, mit Krisen umzugehen?

Gudrun: Die wertvolle Erfahrung, dass nach jedem durchlittenen tiefen Tal wieder der Anstieg auf eine Höhe kommt und dann der Ausblick von der Höhe jedesmal schöner ist und Zuversicht schenkt. Und da ich vieles in der Literatur für mich finde, dazu: «Während man fürs Verliebtsein nicht mehr als blinden Instinkt benötigt, ist die grosse Freude, Hand in Hand durchs Leben zu gehen, ein Werk des Willens, der Klarheit und lebendigen Gefühle.» (E. Osorio)
Uli: Entspricht meinen Antworten zur ersten und dritten Frage.

Ingeborg: In Krisen war es hilfreich, Abstand voneinander zu gewinnen und sich mit Dingen zu befassen, die positiv, beruhigend und gut für uns selbst waren. Ich habe z. B. gerne ein gutes Essen für mich und die Kinder gekocht. Später haben wir Hilfe in der Therapie gesucht. Durch die Learning-Love-Workshops bei Krishnananda und Amana Trobe haben wir Werkzeuge an die Hand bekommen, die es möglich machen, die Auslöser von Ärger und Schmerz anzuschauen. Wir lernen, mit uns selbst umzugehen und sich für den Partner offen zu halten oder wieder neu zu öffnen.
Thomas: Für mich ist es hilfreich, dass ich vorübergehend, eine Zeit lang innerlich auf Distanz gehen und dadurch die Heftigkeit des Erlebens der Krise für mich reduzieren kann, ohne die Beziehung ganz abzubrechen, und dass ich bereit bin, mich dann wieder anzunähern und dabei auch eigene Anteile am Krisengeschehen akzeptieren kann.

Christina: Die Krise ernst nehmen. Immer wieder mich fragen: Habe ich alles ausgeschöpft, was ich zu einer Besserung beitragen kann? Achtung und Respekt. Lernen, meine Bedürfnisse wahrzunehmen und auszusprechen, und akzeptieren, dass er in vielen Bereichen andere Bedürfnisse hat. Arbeit an mir, Paarberatung, unsere Kinder.
Rolf: Die Liebe, der gegenseitige Respekt. Der Wille, zusammenzubleiben. Paarberatung.

Gabriela: Das Vertrauen, dass alles ansprechbar ist und wir bisher immer sehr achtsam miteinander umgegangen sind. Zu wissen, es geht nie darum, etwas nicht mehr zu tun, sondern etwas Neues dazu zu bekommen. Auch unseren Freundeskreis finde ich in Krisen sehr unterstützend und bereichernd.
Thomas: Aufgrund unserer Lebensgeschichten hatten wir schon vor unserer Beziehung die Erfahrung gemacht und verinnerlicht, dass Krisen zum (Beziehungs-)Leben gehören. Dies annehmen zu können, erleichtert uns den Umgang damit ebenso wie die Erinnerung daran, dass durchstandene Krisen uns meist einen Schritt weitergebracht haben. Zudem merke ich es oft selber, wenn ich Gabriela «ändern» möchte und erinnere mich dann daran, dass es eher darum geht, meine eigenen «Hausaufgaben» zu machen.

Gatha: Ich nehme gerne Hilfe von aussen an, insbesondere Paarseminare oder Einzelsitzungen. Grad letzthin habe ich so ganz neue Einsichten über mich und Pedro erhalten, die mir helfen, bei mir zu bleiben und ihn nicht anders haben zu wollen.
Pedro: Mir hilft zu sehen, dass es Anteile der Persönlichkeit sind, die manchmal Schwierigkeiten machen. Dadurch gewinne ich Abstand, der «Sturm» legt sich und die Liebe kann wieder fliessen!

Ela Pravrati: Immer wieder den Blick öffnen für unsere Vision als Eltern und als Paar. Lernen, wie man Gefühle und Emotionen voneinander unterscheidet und mit überwältigenden Gefühlen umgeht. Meditations- und Entspannungspraxis. Arbeit an uns selbst in Form von Seminaren und Therapie, einzeln und als Paar, auch als Eltern.
Volker: Viel Bewusstheit und Verantwortung für unsere Familie, wissen, wie man gut mit Emotionen umgehen kann. Mich mit Hilfe von Seminaren und therapeutischen Sitzungen weiterentwickeln.

Therese: Humor und Optimismus. Die Arbeit an mir selber sowie Sexualität und Spiritualität als Ressourcen.
Patrik: In Krisenzeiten ist ein stabiles Fundament sehr hilfreich. Dieses haben wir uns u.a. auf unserem langen gemeinsamen Weg der Persönlichkeitsentwicklung mit Doris Christinger und Peter Schröter (S+C) aufgebaut, sowohl jeder für sich als auch gemeinsam.

Was ist euch am wertvollsten an eurer Partnerschaft?

Gudrun: Jemand ist ehrlich zu mir, hat den Mut, mir Wahrheiten über mich zu sagen und ist für mich da, auch wenn diese schwer zu verarbeiten sind.
Uli: Gegenseitiges Vertrauen, nicht nur im Alltag, sondern auch im Hinblick auf das Bewältigen der Zukunft.

Ingeborg: An unserer Partnerschaft ist uns wertvoll, einerseits auf das, was wir in all den Jahren erlebt und erschaffen haben, gemeinsamen zurückzublicken und dabei Gutes und Schlechtes anzunehmen, so wie es war. Zum anderen ist es uns heute wichtig, die Gegenwart gemeinsam als Paar zu gestalten, z. B. damit, dass wir einmal die Woche gemeinsam tanzen gehen. Wir wollen unser gegenseitiges Vertrauen im täglichen Kontakt miteinander stärken und uns weiterhin mit den Dingen, die zwischen uns stehen, auseinanderzusetzen, auch wenn es Mut erfordert. Und wir arbeiten daran, mehr Zeit miteinander zu verbringen.
Thomas: Am wertvollsten ist für mich die Zuneigung und die Vertrautheit.

Christina: Lieben und geliebt werden. Die intensive Nähe, die aus dem entspannten Zusammen-Sein entsteht. Erfüllende Sexualität, Freude aneinander, Humor, Vertrauen, Offenheit, Lebendigkeit, Grosszügigkeit. Befreiender Umgang mit Nähe und Distanz.
Rolf: Die Liebe, gegenseitige Wertschätzung, Krisen-Resistenz, sexuelle Erfüllung.

Gabriela: Das Vertrauen ineinander und die Vertrautheit, mit der wir uns begegnen. Aus Erfahrung zu wissen, dass wir immer achtsam und respektvoll miteinander umgehen. Zeit miteinander verbringen zu wollen und immer wieder bewusst nach entsprechenden Räumen zu suchen.
Die gemeinsame Geschichte, auf die wir zurückblicken können und die Freude, weiter gemeinsam durchs Leben gehen zu dürfen; nebeneinander, hintereinander, miteinander, manchmal weiter auseinander, aber immer wieder begegnend; neugierig, achtsam, fragend, zuhörend, wild, lustvoll, atmend und zart berührend.
Thomas: Die Gewissheit, dass wir eine gemeinsame Sprache sprechen und dass wir beide uns darum bemühen, den Standpunkt des andern verstehen zu wollen – sogar dann, wenn einem dies gerade sehr schwierig vorkommt. Das verinnerlichte Wissen darum, dass wir ein tolles Team sind, gemeinsam viele sowohl wunderschöne wie auch sehr schwierige Erfahrungen gemeistert haben und die Lust darauf, weitere gemeinsame Erfahrungen zu sammeln.

Gatha: Herzensweite zu spüren, wenn ich ihn anschaue, und Zeit für Gemeinsames (Spirituelles, Lieben, Reisen, Wandern).
Pedro: Vertrautheit, körperliche Nähe, gemeinsames Erleben, Tiefe, Freude, Spass!

Ela Pravrati: Mein grosses Vertrauen in meinen Mann und in die Liebe, die da ist. Es ein Geschenk, dass ich meinen eigenen Weg gehen kann und wir gleichzeitig unseren gemeinsamen Weg als Paar haben.
Volker: Einen vertrauensvollen, ehrlichen und offenen Umgang miteinander zu haben.

Therese: Immer wieder gemeinsame Projekte entwickeln – in guter Ausgewogenheit zu den eigenen Interessen.
Patrik: Der gemeinsam geschaffene Raum, in dem auch individuelle Entwicklung möglich ist.