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«Meine eigenen Gebete finden» – Erfahrungsberichte aus einem Workshop mit Vernon Foster

Ein Mann und eine Frau berichten von ihrer Begegnung mit «altem Wissen» im Workshop mit Vernon Foster

Es geht weniger darum, was wir tun, sondern wie und mit welcher Haltung.

«Altes Wissen für die neue Zeit» – der Titel hat mich angesprochen. Ohne weitere Abklärungen melde ich mich an. Die Ankunft ist trotzdem von einer gewissen Unsicherheit geprägt. Was erwartet mich wohl? Wen werde ich da antreffen? Es beginnt mit dem Dance of the Heart, mit Bewegung im Raum, die Augen verbunden, Musik. Ich höre immer wieder die Stimme von Vernon, der mich in den nächsten Tagen mit seinem Wissen bekannt machen wird. Das Vertrauen in den Tanz und in die Stimme wächst allmählich. Nach zwei Stunden bin ich an diesem Ort angekommen und geniesse den eigenen Raum, der sich aufgetan hat. In den Stunden danach entwickelt sich das Angekündigte in einer natürlichen Metamorphose. Mir erschliesst sich dieser Vorgang allerdings nicht sofort: In den ersten Sequenzen des Zusammenseins frage ich mich immer wieder, wie und warum ich wohl hier gelandet bin. Allen anderen scheint klar zu sein, welche Worte man zu singen hat und wie man sich abräuchert, mir aber nicht. Trotzdem lasse ich mich allmählich auf diese Welt ein: der rote Pfad, die Chanupa, die Schwitzhütten, das Teilen der Geschichten und Rituale, der Tabak, die Näharbeit, der Medizinbeutel und die Männerrunde, dazwischen immer wieder das Trommeln und Singen. All das ist verbunden mit der Grosszügigkeit, Ernsthaftigkeit und dem Humor von Vernon und Ioana. Nach und nach wird mir bewusst, dass alles, was wir hier machen, von «altem Wissen» durchdrungen ist. Es drückt sich weniger in dem aus, was wir tun, sondern in der Art, wie wir es tun und mit welcher Haltung. Trotzdem werden gewisse Regeln eingehalten, nicht weil es die Regeln sind, sondern weil es das passende Verhalten ist. Es kennzeichnet den spirituellen Pfad der indianischen Lebensweise. Vernon hat mir gezeigt, wie man seiner Kultur treu sein und dennoch Wichtiges teilen kann. Beschenkt, bereichert und mit einem kleinen Stück Lützelflüh in meinem Medizinbeutel gehe ich auf meinem Pfad weiter.

Gishan F. Schaeren


Aus dem schöpfen, was ich bin: eine Frau, in einer Gruppe, am Feuer, unter dem Mond.

Ich bin zu diesem Workshop gekommen um meinen Alltag als Mutter, Hausfrau und Projektleiterin zu bereichern. Im besten Fall mit etwas ganz und gar nicht Alltäglichem, denn ich sehne mich nach einem Ausgleich. Zuerst bekomme ich eine Lektion in Demut. Mein vielbeschäftigtes Wesen wird herausgefordert, zur Ruhe zu kommen und zuzuhören. Vernons Erzählungen eröffnen mir einen Einblick in den indianischen spirituellen Pfad. Ich höre seine Stimme und vernehme alte Weisheiten. Diese brauchen ihre Zeit, um sich bei mir zu entschlüsseln. Praktische Elemente ermöglichen mir, das Gehörte auch zu erleben. Ich werde mich immer an die Sternenvolk-Geschichte erinnern, in der ich plötzlich selbst einer Rolle spiele. Nun verstehe ich sehr gut, dass sich altes indianisches Wissen nicht so einfach in diese neue Zeit und in unsere europäische Kultur vermitteln lässt. Es ist ein Pfad. Und so man will, geht man diesen, Schritt für Schritt. Es gibt keine Abkürzung. Und das ist gut so. In den vier Tagen mit Vernon und Ioana tue ich immer wieder Ungewohntes: tanzen, singen, die Kraft der heissen Steine würdigen, Lederbeutel nähen und mit Salbei räuchern. Es fühlt sich anfangs fremd an. Ich kenne die Lieder nicht, fühle mich unsicher mit den Ritualen, und meine Scheu vor anderen Menschen wirft mich auf mich selbst zurück. Es bringt mich aber auch in Kontakt mit meinem weiblichen Dasein. Die Schwitzhütte einkleiden, das können Frauen. Wir tun es gemeinsam, und ich fühle mich schwesterlich verbunden. Das Wasser segnen, ebenfalls eine Frauensache. Langsam schwinden meine Zweifel, ob ich das überhaupt kann. Es genügt, dass ich es mache, so gut, wie ich es kann. Und es ist gut, wenn ich aus dem schöpfe, was ich bin: eine Frau, in einer Gruppe, am Feuer, unter dem Mond. Der Workshop ermöglicht mir, meine eigenen Gebete zu finden. Und als wären sie erhört worden, kehre ich anders in meinen Alltag zurück. Gestärkt, ermutigt und gesegnet. 

Carmen Wicki 


Das Seminar «Altes Wissen für die neue Zeit» mit Vernon Foster findet vom 19. – 23. Mai 2018 statt.