header

Krishnananda & Amana: Schock und Trauma heilen

Krishnananda und Amana leiten seit 1995 weltweit gemeinsam Seminare und Trainings, die zum Begriff für einzigartige sanfte und zugleich tief gehende Prozessarbeit geworden sind. «Learning Love» heisst ihr Workshop-Progamm, denn genau darum geht es grundlegend: lieben zu lernen.

Vor ein paar Jahren begannen wir einen intensiven Workshop zur Heilung von Schock und Traum zu leiten, da wir erkannten, dass darin die Wurzel der meisten unserer Beziehungsprobleme liegt. Es wurde uns zunehmend klar, dass Trauma-Arbeit in mancher Hinsicht die tiefgehendste Therapie überhaupt darstellt. In unseren Traumata sind unsere Ängste begründet, und unsere Ängste hindern uns, unser Leben in vollen Zügen zu leben – mit Leidenschaft, Liebe, Kreativität, lebendiger Sexualität und vertiefter Meditation. Unsere Art und Weise der Trauma-Arbeit hat sich im Laufe der Zeit zu dem entwickelt, was sie heute ist, und sie ist bedeutend beeinflusst von der Trauma-Arbeit von Peter Levine. (Krish ist im letzten Jahr von Peter Levine's dreijähriger Weiterbildung.)

Mit Trauma bezeichnen wir die Beeinträchtigung unseres hoch sensiblen Nervensystems durch Übergriffe und andere Erlebnisse aus der Vergangenheit, die unsere Schutzmechanismen überwältigt und tiefe innere Störungen hervorgerufen haben und es bis heute tun. Der Schock ist die Art und Weise, in der das Trauma auf unser Nervensystem eingewirkt hat.

Es braucht nicht viel, um traumatisiert zu werden. Früher glaubten wir, dass wir von Traumatisierung sprechen können, wenn wir als Kind sexuellen oder körperlichen Missbrauch erlitten haben. Das trifft gewiss zu, doch es gibt eine Vielzahl weniger dramatischer Ereignisse aus der Vergangenheit, die genauso traumatisierend sein und massive Auswirkungen auf unser heutiges Leben haben können: emotionales oder physisches Im-Stich-gelassen-Werden als Kind; Druck, Kritik oder Erniedrigung durch Eltern, Lehrer oder MitschülerInnen; Operationen, Spitalaufenthalte oder Unfälle – all dies kann zu schweren Traumata führen. Ein Kind, das seiner Natur gemäss beeindruckbar, empfindsam und abhängig ist, kann durch jede Art von unsensiblem Verhalten oder Missachtung der Grenzen – besonders bei wiederholtem Auftreten – tiefe Wunden davontragen. Die meisten von uns sind traumatisiert, auch wenn wir es nicht wissen.

Was geschieht, wenn wir traumatisiert werden? Wir geraten in Schock. Wir verschliessen uns, koppeln uns von unserem Körper ab, verlieren das Vertrauen, ziehen unsere Energie nach innen, werden ängstlich, erstarrt, gelähmt, verwirrt oder gar chronisch krank. Vielleicht kriegen wir Verdauungs- oder Hautprobleme, oder jegliche Wut oder Konfrontation versetzt uns in Schrecken. Wir können sexuelle Störungen haben oder gar keine sexuellen Gefühle empfinden, oder wir vermeiden Intimität. Vielleicht driften wir zunehmend weg, werden vergesslich oder machen immer wieder die gleichen Fehler. Oder wir sind reizbar, missmutig, halten uns ständig beschäftigt oder laufen mit der Erwartung herum, angegriffen oder kritisiert zu werden. Möglicherweise sind wir aus keinem erkennbaren Grund schläfrig oder aufgewühlt, oder wir haben zu grosse Angst, etwas Neues zu beginnen oder unser Leben zu verändern. Es kann sein, dass wir ein bisschen Erleichterung suchen in einer Sucht, seien es Zigaretten, Alkohol, Marihuana, Schlaftabletten oder sogar härtere Drogen. Oder wir benützen Sex, Shopping, Fernsehen oder sonst etwas als Versuch, unsere Angst zu besänftigen. Die Liste ist lang. Jeder von uns hat seine eigenen Trauma-Symptome.

Wir gehen unterschiedlich mit unserem Trauma um. Manche kompensieren und scheinen ganz gut zu funktionieren, ohne die eigene Traumatisierung zu erkennen. Doch dann kann sie sich auf höchst unerwartete Weise zeigen: Etwas läuft schief im Sex. Wir haben Probleme, jemandem nahe zu kommen. Wir haben Panikattacken. Wir vermeiden neue Situationen. Wir werden krank. Wir werden süchtig nach Arbeit, nach Wut oder nach sonst etwas. Oder wir fühlen uns ständig verängstigt und gelähmt. Manchmal braucht es einen Auslöser, indem etwas uns an damals erinnert, vor langem, als wir traumatisiert wurden. Dieser Auslöser kann etwas so Unbedeutendes sein wie ein bestimmter Blick, eine Wut, die wir bei einer anderen Person fühlen, eine neue Situation, ein Bild, die geringste Art von Druck oder die blosse Ahnung, dass jemand unerreichbar werden oder uns verlassen könnte.

Wenn wir nichts über Trauma und Schock wissen, werden wir glauben, etwas sei völlig verkehrt mit uns, weil wir so viel Angst haben oder weil wir auf «normale» Situationen derart seltsam reagieren.

Wie finden wir Heilung von Schock und Trauma?

  • Der erste Schritt besteht darin zu verstehen, worum es wirklich geht, und es mit Geduld, Liebe und Mitgefühl zu umarmen. Unseren Schock und unser Trauma zu verstehen bedeutet, sie von innen her kennen zu lernen, nicht intellektuell, sondern über die eigene Erfahrung. Wir sprechen davon, «unser Kind im Schock kennen zu lernen». Wir beginnen Trauma und Schock in uns erst richtig zu erkennen und anzuerkennen, wenn wir bewusster und sensibler die Momente in unserem Alltag wahrnehmen, in denen Angst oder Schock aufkommt. Das heisst auch, dass wir bemerken, wenn der Auslöser in Aktion tritt, und wahrnehmen, wie sich Angst und Schock im Körper anfühlen und wie sie unser Verhalten beeinflussen. Es ist auch hilfreich zu wissen und darüber zu sprechen, wie unser Trauma geschah. Doch es ist nicht wesentlich, die ganze Geschichte unseres Traumas zu kennen, denn manchmal erinnern wir uns überhaupt nicht oder unsere Erinnerung mag ungenau sein.
  • Der zweite Heilungsaspekt besteht darin, unsere Grenzen zurückzugewinnen. Durch die Traumatisierung haben wir das Gespür für unsere Grenzen verloren – körperlich, emotional, mental und spirituell. Vielleicht fällt es uns schwer, nein zu sagen, wir vertrauen unseren Gedanken, Gefühlen und Überzeugungen nicht und lassen uns leicht von Meinungen oder Wünschen anderer verunsichern. Wir tun alles, um zu gefallen und die Harmonie aufrecht zu erhalten, so dass wir uns sicher fühlen. (Oder das Gegenteil: Wir sagen ständig nein, hören niemandem wirklich zu und lassen keinen Menschen nahe an uns heran.) Wir gewinnen unsere Grenzen zurück, indem wir wieder empfindsam für unseren Körper werden und horchen und vertrauen lernen, was er uns sagen will. Dazu gehört es auch, Risiken einzugehen und Dinge auszusprechen, besonders da, wo wir uns nicht respektiert fühlen.

  • Ein dritter Aspekt der Heilung von Schock und Trauma besteht darin, unsere Lebensenergie zu mobilisieren, indem wir Wege kennen lernen, wie wir unsere Energie und unseren Körper in Bewegung setzen können. Oft sind wir aus Angst infolge unseres Traumas innerlich kollabiert oder wir haben unsere Energie enorm zurückgezogen. So fühlen wir uns kraftlos und unfähig, voller Scham und Unzulänglichkeit. Sobald wir uns damit anfreunden, mit mehr Energie zu leben, wachsen Kraft und Selbstwert in uns ganz beträchtlich.

  • Ein letzter Heilungsaspekt besteht im Entdecken und Aufbauen unserer inneren und äusseren Ressourcen. Dazu gehört alles, was uns ein Gefühl von mehr Stärke, Verbundenheit und Sicherheit gibt. Vielleicht ist es das Zusammensein mit lieben, unterstützenden Freunden oder Familienmitgliedern, der Aufenthalt in der Natur, Tanzen, Malen, Meditieren, Musikhören, Sport, Kampfsport oder Yoga – alles, was das Verbundensein mit uns selbst stärkt.
  • Die Methoden, die wir in der Trauma-Heilung anwenden, sind sanft, behutsam und schrittweise tiefer gehend. Denn in unserer Erfahrung ist dies der einzige Weg, diesen zarten und verborgenen Ort in uns zu erreichen. Die Heilung ist kein schneller Prozess, doch im Laufe eines sechstägigen Intensivseminars kann man mit den Werkzeugen vertraut werden, die man braucht, um die Heilungsarbeit selbstständig fortzuführen.