header

Kavi & Bhadrena: Eine Arbeit, die zu innerem Frieden beiträgt

Bhadrena Tschumi Gemin und Kavi Gemin bieten seit über fünfzehn Jahren im Waldhaus – und rund um die Welt – professionelle Trainings in Cranisacral Balancing an. Wir interviewten sie zu dieser tiefgehenden Körperarbeit.

Für den Laien, der eine Körperperarbeit erlernen möchte, ist das heutige Angebot schwer zu überblicken. Was zeichnet Craniosacral Balancing® aus?

Bhadrena und Kavi:Ja, das Angebot ist gross, auch in der Craniosacral Arbeit selbst. Heute haben wir zwei Verbände in der Schweiz, die viele verschiedene Schulen vereinigen. Jede Schule und jeder Ansatz hat eigene Besonderheiten und Qualitäten. Das Konzept, das unser Institut und Craniosacral Balancing® (CSB) auszeichnet, ist der biodynamische Ansatz. Wir arbeiten mit dem Prinzip, dass das Gesunde natürlich im Kern jedes Organismus angelegt ist.

Da CSB ein therapeutischer Ansatz ist, der vor allem über die Hände und ihre Wahrnehmung ausgeübt wird, müssen wir Wahrnehmungsfähigkeiten entwickeln, die es uns ermöglichen, mit diesem Ausdruck des Gesunden zusammenzuarbeiten und die Selbstregulierung des menschlichen Systems zu unterstützen.

Der Unterschied zwischen CSB und anderen Körperarbeiten könnte sein, dass in CSB die Praktizierenden die innewohnenden biodynamischen Kräfte unterstützen, den Körper zu organisieren und ein inneres Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Es kommt zur Zusammenarbeit mit dem Körper und dem menschlichen System, statt dass wir mit Techniken und Manipulationen den Körper zu verändern suchen und vom Körper verlangen, sich an den angewandten Techniken zu orientieren und sich anzupassen.

Es braucht Zeit, sich das Wissen auf anatomischer und physiologischer Ebene anzueignen und gleichzeitig Wahrnehmungs- und sprachliche Fertigkeiten zu entwickeln, die uns erlauben, dem Gesunden, wie der persönlichen Geschichte, die auch im Körper gespeichert ist, zu begegnen.

Wir haben dafür ein ausführliches professionelles Ausbildungsprogramm entwickelt, das die Studierenden darin unterrichtet, die subtilsten unwillkürlichen Vorgänge im menschlichen Körper zu erkennen, zu verstehen und mit ihnen therapeutisch in Verbindung zu treten.

In unserem International Institute for Craniosacral Balancing® kommen Erfahrungen in dem Gebiet der Craniosacralen Therapie, der Traumatherapie, der humanistischen Therapie und verschiedenen ganzheitliche Ansätzen zur inneren Heilwerdung zusammen.

Wir (Bhadrena und Kavi) widmen unser Leben dieser Arbeit und dem Unterrichten und können auf 27 bzw. 18 Jahre Therapierfahrung zurückblicken. In der reichhaltigen Erfahrung mit dem menschlichen Wesen ist für uns die Arbeit ein kontinuierliches Wachsen und Expandieren.

In CSB ist «die Kunst des Lauschens» grundlegend. Was heisst das?

Das Lauschen bezieht sich auf die Fähigkeiten der Praktizierenden, dem Körper auf rezeptive Weise zu begegnen. Die Kunst des Lauschens besteht darin, sowohl in der Berührung wie auch in der inneren Aufmerksamkeit eine gewisse Neutralität aufrecht zu erhalten, die es den Praktizierenden erlaubt, die subtilsten Absichten des Körpers wahrzunehmen und mit ihnen zu kooperieren. Da wir mit unwillkürlichen Abläufen im menschlichen System arbeiten und unter anderem auch mit Flüssigkeiten, besteht die Kunst des Lauschens auch darin, zu wissen, wann wir ein System mit unserer Präsenz stören oder aufwühlen und wie wir uns flexibel verhalten können im Kontakt, so dass der Einfluss so klein wie möglich gehalten wird.

Lauschen passiert mit allem Wissen und Training aber ohne den Filter von Konzepten und Ideen, wie der Körper sein sollte, wie er sich verhalten oder heilen sollte. Dies ist ein schwieriges Unterfangen für die Studierenden. Gleichzeitig ist es sehr bereichernd für die Praktizierenden wie auch für die Klienten. Wir lauschen den Botschaften der verschiedenen Systeme, die den Menschen ausmachen. Wir arbeiten mit dem Flüssigkeitssystem, dem autonomen Nervensystem, dem Bindegewebssystem, den Muskeln, Bändern und dem Skelett etc., um in der Reorganisation und Selbstregulierung zu mehr Balance und innerem Gleichgewicht unterstützend und therapeutisch präsent zu sein.

Die Kunst des Lauschens braucht Zeit zum Entwickeln. Unsere nach innen gerichtete Wahrnehmung ist nicht sehr gefördert worden. Über unseren Tastsinn können wir gut unterscheiden zwischen einem Apfel und einer Orange, einer glatten oder rauhen Oberflächenstruktur. Wenn wir allerdings die unwillkürlichen Bewegungen des menschlichen Systems wahrnehmen wollen, die Flüssigkeitsbewegungen, die Aktion des autonomen Nervensystems, die inneren Bewegungen von Strukturen, da muss unser Lauschen geübt und verfeinert werden.

Ihr habt eure Methode in den letzten Jahren verändert und erweitert. Was ist neu?

Statt von etwas «Neuem» zu reden, bevorzugen wir das Wort «Entwicklung». Über Jahre haben wir Ansätze gelehrt, von denen wir hoffen, dass die Leute ihr Verständnis des menschlichen Systems durch eigene Erfahrung expandieren. So, wie es auch für uns geschah. In den letzten Jahren hat sich ein Weg geklärt, die Prinzipien zu unterrichten, die wir selbst praktiziert haben und die über Techniken hinausgehen.

Es ist uns ein Anliegen, den Studierenden Türen zu öffnen, so dass sie mit ihren Händen lernen, wie sie dem Körper die eigenen Heilungskräfte reflektieren können. CSB ist Aktion in Nicht-Aktion.
Unsere Arbeit ist als biodynamischer Ansatz im Craniosacralen Feld bekannt und wird natürlich zusätzlich von uns durch unsere eigene Erfahrung bereichert und geprägt.

Techniken haben sich zu Prinzipien und Konzepten entwickelt, die den Praktizierenden die Möglichkeit geben, in einer Behandlung mit dem Körper zusammenzuarbeiten und auf jede Kondition, jedes Symptom zu antworten. Wir haben uns viel Zeit für diese Entwicklung und Umorientierung genommen, mehr Erfahrung ist dazu gekommen, mehr Studium, mehr Auseinandersetzung mit dem menschlichen System und seinen Konditionen und Konditionierungen.

Was kann ein/e KlientIn von einer Craniosacral Balancing®-Therapie erwarten?

Nach einer Behandlung kann jemand erwarten, zu einem originalen Gesundheitszustand zurückzukehren. Oft geschieht ein Verringern oder Verändern von Symptomen, ein Anreichern von Lebenskräften und ein generelles Gefühl des Wohlbefindens.

Die Reise, zur Gesundheit zurückzukehren, ist individuell. Deswegen ist auch die Antwort auf eine Behandlung individuell. Meistens finden die Leute CSB Behandlungen für viele Situationen sehr hilfreich, unterstützend und heilsam. Beispiele gibt es viele und sie reichen von posttraumatischer Pflege zu Linderung von chronischen oder wiederkehrenden Schmerzen und psychosomatischen Symptomen, von einer Selbstregulierung des autonomes Nervensytems zu einer tiefen inneren Ganzwerdung und Frieden.

Menschen erfahren eine bessere Verbindung zu ihrem Körper und zu sich selbst, ein erneutes Gefühl von Kraft, Stärke, Einheit und Verbundenheit kann sich einstellen. Schon in der ersten Sitzung ist eine Wende zu mehr Erholung und Genesung möglich. Oft sind aber mehrere Behandlungen nötig, um dem System genügend Unterstützung und Zeit zu geben, sich von innen zu regenerieren.

Ihr bietet weltweit seit Jahren mit grossem Erfolg Trainings an. Was ist das Geheimnis eures Erfolgs?

Da gibt es kein Geheimnis. Unser Erfolg kommt unter anderem auch von den Tausenden von Studierenden, die wie wir berührt und beeindruckt sind von dieser Arbeit und sich dem Lernen dieser Arbeit gewidmet haben. Es ist ein spezielles Gefühl von Respekt und Dankbarkeit, das erfahren wird, wenn man durch «lauschende» Hände berührt wird. Wir denken, dass wir uns glücklich schätzen dürfen, fähig zu sein, dies den Leuten zu vermitteln und Menschen zu begegnen, die das Herz, die Fähigkeit, die Würde, den Anmut und den Reichtum hatten, dies zu empfangen und von uns zu lernen.

Und gleichzeitig widmen wir unser Leben diesem therapeutischen Ansatz und haben viel von uns hineingeben. Wir heissen die TeilnehmerInnen mit ihrem Potenzial und ihren Ressourcen willkommen und begegnen ihnen nicht nur auf der Persönlichkeits- und Ego-Ebene.

Was ist euer tiefstes Anliegen mit eurer Arbeit?

  • Die Anerkennung der Perfektion von Natur und ihren Prozessen.
  • Das Lernen, das damit kommt, und dass wir unsere Erfahrungen teilen können.
  • Ganzheit, Gesundheit, Essenz in den Menschen anzusprechen und daran zu erinnern, dass diese Qualitäten schon da sind.
  • Achten, ehren, respektieren von Unterschieden jedes Einzelnen.
  • Eine Arbeit verbreiten, die sehr wohltuend und hilfreich ist, um dem Leiden zu begegnen; eine Arbeit, die zu innerem Wohlergehen und innerem Frieden beiträgt, wo wir mehr sein können, als das, was wir geworden sind durch unsere individuelle Geschichte.

Bhadrena und Kavi, wir danken euch herzlich für dieses Interview.
Interview: Alexander Lanz