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Dance of the Heart mit Vernon Foster: «Knock – Knock – Knockin’ on Earth’s Door» – Erfahrungsbericht

Tanzen verbindet. Und die gerne tanzen, finden sich. So ist ist es auch mit Vernon Foster, einem ebenso sanften wie kraftvollen Native American Indian und seiner Begleiterin Ioana-Maria IIuit, die durch ihr «Dance of the Heart» Heilung und Balance vermitteln möchten. Ihre aufgeschlossene, humorvolle Art hilft mir bei meiner Entscheidung, mein Inneres nach aussen zu kehren und mich so ausgiebig wie möglich der Tanzerfahrung hinzugeben. Eine Augenbinde, traditionell üblich, wird angeboten, um die Abenteuerreise zur eigenen inneren Essenz zu unterstützen.

Eine Reise, die ich erwartungsvoll mit anderen TänzerInnen im grossen Waldhaus-Gruppenraum teilen werde. Ob alle genug Platz haben zum Tanzen, ist die allgemeine Frage, die durch ein Kopfnicken von Vernon beantwortet wird. Sich selbst Zöpfe flechtend, bereichert er uns mit seiner Erzählkunst, die von Ioana spielerisch übersetzt wird. Die Atmosphäre ist herzlich und voller Vorfreude.

Kaum trage ich die Augenbinde, verstummt langsam der innere Dialog. Dem Gesang von Vernon und Ioana lauschend, beginnt mein Körper sich zu dehnen und zu strecken. Anfängliche Steifheit löst sich, tiefer sitzende Spannungen zeigen sich. Meine Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit. Rasseln an meinem Ohr weisen den Weg in die Traumzeit. Halb tanzend, halb träumend tauche ich in meine Empfindungen und inneren Bilder.

Der Rhythmus meiner Bewegungen ist noch harmonisch, weicht aber immer mehr einem chaotischen körperlichen Ausdruck und einer inneren Kraft, die mich an feurige Lava erinnert. Trommelklänge umhüllen mich. Ich werde zum Vulkan, der mit lautem Gebrüll die Lava zum Fliessen bringt. Je mehr meine Körperzellen dieser feurigen Erinnerungsspur folgen, desto mehr Kraft nehme ich wahr. Eine tanzende Flamme in Schweiss gebadet. Ich geniesse dieses intensive Körpergefühl.

Rhythmische Musik wechselt mit Naturgeräuschen, dazwischen immer wieder Gesänge, Trommeln und Rasseln. Hinter meiner Augenbinde tauche ich tiefer und tiefer in mein Universum. Feuerspeiende Drachen sind meine Verbündeten. Wut und Ärger machen sich Luft. Ich will mehr Platz, ein Leben ohne Einschränkungen, ruft es aus meinem Bauch.

Aus den Lautsprechern tönen laute Gesänge, die meiner Sehnsucht nach Freiheit Antwort geben. Ich lausche meinen Füssen, die im rhythmischen Einklang an die Tür von Mutter Erde klopfen. Ich vertraue meinem Körper, der sich wie ein wildes Tier Einlass zu verschaffen versucht.

Salbeiduft und die warme Stimme von Vernon lassen mich für einen Moment auftauchen aus meiner Traumzeit. Seine sanfte Berührung an meinen Händen bringt den Tränenstrom zum Fliessen. Die Sehnsucht nach einem Ort der Freiheit und des inneren Friedens ist hier und jetzt. Dankbar tanzend und kraftvoll fliessend verliere ich mich wieder und wieder in meinem Universum, um mich zusammen mit den anderen TänzerInnen als Teil des kosmischen Ganzen wiederzufinden.

Vernon singt ein Lied für den grossen Geist, für das Leben und die Liebe. Wir werden eingeladen, langsam zurückzureisen. Noch sanft pulsierend, sitze ich wenig später in einem grossen Kreis mit vielen blinzelnden Augenpaaren und schaue in verschwitzte und entspannte Gesichter. Erfahrungen werden ausgetauscht, Wasser wird gereicht, frische Luft wird dankbar begrüsst.

Die Herausforderung, die eigene Lebensfreude und Wildheit immer wieder neu zu entdecken, ist immer noch im Raum und wird von Vernon und Ioana mit einem weiteren «Heart Dance» in der Runde beantwortet, diesmal ohne Augenbinde. Zusammen tanzend und stampfend, singend und lachend beenden wir die heilsame Reise. Nur meine Füsse tanzen weiter, erinnern mich an das Hier und Jetzt. Knock – knock – knockin' on earth's door.

Erfahrungsbericht: Nirvano Martina Schulz
Veröffentlicht im WaldhausAktuell 2013