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Art of Being: «In jedem Trainingskreis sind Vertrautheit, Nähe und Verbundenheit gewachsen.»

Das Art of Being Training mit Alan Lowen bietet die Möglichkeit, sich in vier «Kreisen» über anderthalb Jahre vertieft der «Kunst des Seins» zu widmen. Wir haben ein paar TeilnehmerInnen des letzten Trainings zu ihren Erfahrungen befragt.

Was hat dich dazu bewogen, am Art of Being Training teilzunehmen?

Jürg: Ich hatte vor dem Training schon für längere Zeit ein Gefühl von Orientierungs- und Ratlosigkeit. Mir wurde klar, dass ich etwas in meinem Leben anders machen und neu angehen musste. Alan war mir viele Jahre vorher schon einmal empfohlen worden, und so schien mir das Training eine gute Gelegenheit dafür zu sein.

Monica: Über die Jahre bin ich immer wieder für ein Wochenende in den Art-of-Being-Raum eingetaucht. Was ich daran liebe, ist: mich zu erfahren, anderen zu begegnen, achtsam zu sein, mich zu zeigen, mich abzugrenzen, auf mich achtzugeben, Neues zu erfahren, Nähe und Körperlichkeit zu leben, unsicher zu sein, berührt zu sein, zu tanzen. Die Teilnahme am Training war für mich eine Chance, über anderthalb Jahre während insgesamt vier Wochen in diesem Raum zu sein.

Gunnar: Ich hatte bereits einige Seminare bei Alan besucht. Wie kein anderer zuvor hatte er mich mit meinen tiefsten Ängsten und zugleich mit meinem Herzen in Kon-takt gebracht. Dieses intensive Fühlen wollte ich nicht mehr verlieren, sondern weiter erforschen.

Indira: Als ich Alan 2008 im Seminar «Universal Experience» kennen lernte, war ich gerade dabei, aus meinem Job auszusteigen. Das Seminar machte mir sehr deutlich, was mir im Leben wichtig ist. Danach habe ich in weiteren Seminaren Alans Arbeit schätzen gelernt. Mit der Teilnahme am Art of Being Training war es mir wichtig, über einen längeren Zeitraum von ihm begleitet zu werden, Teil einer Gruppe zu sein, tiefere Erkenntnisse über mich selbst zu gewinnen und zu erle-ben, wie Alan eine Gruppe spürt und führt.

Was war für dich persönlich besonders wertvoll am Training?

Jürg: Es war ermutigend und vertrauensbildend, in einer Gruppe von Leuten zu sein, die alle ihre eigene Problematik anschauen und etwas in ihrem Leben ändern wollten. Die ganz spezielle Art von Alan, einen mit sich selber zu konfrontieren und zu ermutigen, Schmerz und Trauer zuzulassen und sich mit allem anzunehmen und lebendig zu fühlen, war wunderbar. Ich habe gelernt, dass alles, was ich gemacht und erlebt habe, zur Vielfalt meines Lebens gehört und gefeiert werden will. Dazu kamen das Wohlwollen, das Aufgehobensein und der herzliche Austausch in der Gruppe.

Monica: Etwas vom Schönsten am Trai-ning war, mit anderen Menschen über längere Zeit gemeinsam ein Stück Weg zu gehen und sie immer wieder zu treffen. Dadurch sind für mich Vertrautheit, Nähe und Verbundenheit gewachsen und haben mir ermöglicht, mich tiefer einzulassen als an einem einzelnen Wochenende. Ich konnte den anderen ein paar Monate später erneut begegnen und mehr von mir zeigen.

Gunnar: Mein intensivstes Erlebnis hatte ich an einem Wochenende zwischen zwei Trainingseinheiten, als wir uns im Rahmen einer «Hausaufgabe» trafen, um uns ge--genseitig zu «spiegeln». Als ich von acht Personen gespiegelt wurde, erkannte ich plötzlich einen Teil von mir, den ich noch nie so deutlich gesehen hatte: meinen erbarmungslosen inneren Kritiker, der mein inneres Kind wohl schon seit Jahren misshandelt hatte. Seit ich ihn so klar sehen kann, hat er sehr viel Macht über mich verloren.

Indira: Es ist faszinierend, wie Alan mit seinen Gruppen mitschwingt. Es gibt vorgegebene Strukturen und gleichzeitig ganz viel Raum, in dem entstehen kann, was gerade dran ist. Alan schafft es, einen Rahmen von Vertrauen und Liebe zu schaffen und die Teilnehmer/innen gleichzeitig an ihre Grenzen zu bringen. So entsteht die Möglichkeit, auch schwierige Themen anzuschauen und zu heilen. Und immer wieder geht es darum, das Leben zu feiern, sei es durch Tanzen, sinnliche Begegnun-gen, den Kontakt zur Natur oder tiefe Meditation.

Welches war die grösste Herausforderung für dich?

Jürg: Oft gespiegelt zu werden – nicht nur angenehm – und dies anzunehmen, hat mich sehr herausgefordert. Ebenso in den Begegnungen mit den anderen Teil-nehmer/innen zwischen ihren Angelegen-hei-ten und meinen eigenen unterscheiden zu können.

Monica: Für mich gab's zwei grosse Herausforderungen. Die eine war, mich abzugrenzen. In den vier Wochen habe ich erlebt, dass ich auf mich aufpassen und Grenzen setzen kann. Das hat mir die Sicherheit gegeben, dies auch vermehrt in meinem Alltagsleben zu tun. Die zweite Herausforderung bestand darin, mich zu zeigen, zu öffnen, zu dem zu stehen, was ich bin, damit einverstanden zu sein und es zu geniessen. An diesem Thema bin ich immer noch dran.

Gunnar: Meine grösste Herausforderung war immer wieder die «Kreisarbeit»: mich mit dem, was gerade in mir brannte, vor Alan und der Gruppe zu zeigen. Und dann alles zu fühlen, was das Feedback und die Reaktionen der Gruppe bei mir auslösten.

Indira: Im ersten Trainingskreis, der zugleich offenes Seminar ist, gab es manche Personen, die meine «Knöpfe drückten». Zugleich nahmen einige von denen, die mir am sympathischsten waren, dann nicht am Training teil. Dies war eine grosse Herausforderung und gleichzeitig ein Geschenk. So konnte ich lernen, meine Gefühle und Reaktionen zu beobachten, anzunehmen und damit umzugehen. Es gab immer wieder Situationen, in denen ich mich ganz bewusst entscheiden musste, nicht davonzulaufen, sondern dazubleiben, getreu dem Motto «keep being here anyway».

Inwiefern hat das Training positive Veränderungen in deinem Leben bewirkt?

Jürg: Ich bin mir selber gegenüber grosszügiger geworden. Ich weiss klarer, was mir gut tut und was ich brauche. Ich kann mit vielem spielerischer umgehen und bin im Umgang mit anderen direkter und offener geworden.

Monica: Die vielen Erfahrungen und Erlebnisse aus dem Training sind in mein tägliches Leben eingeflossen. Wie ein Mantra begleitet mich zurzeit eine Frage, die mir ein Freund aus der Gruppe gestellt hat: «Wovor fürchtest du dich bei einer Begegnung?»

Gunnar: Die grundlegendste Veränderung, bei der das Training mitgewirkt hat, ist wohl in meiner Arbeit geschehen. Nach langer Zeit habe ich mir endlich eine Arbeit gesucht und gefunden, die ich aus Liebe tun kann.

Indira: Es hat gut getan, mich angenommen zu fühlen, egal wie ich gerade bin. Mit einer Starksein- und Schönwetterfassade durchs Leben zu gehen, kann auf Dauer ganz schön anstrengend sein. Ich habe erlebt, dass Menschen sich mir näher fühlen, wenn ich alle meine Farben zulasse, und dass sie berührt sind, wenn ich meine Verletzlichkeit zeige. Ich kann jetzt leichter Zuwendung annehmen und um Hilfe bitten, gerade wenn es mir mal schlecht geht. Das Training hat mich gelehrt, mich selbst mehr zu akzeptieren – langsam, Schritt für Schritt.

Interview: Alexander Lanz
Veröffentlicht im WaldhausAktuell 2013