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Seelisch-Spirituelle Sterbebegleitung und -vorbereitung

Weiterführende Ausbildung Teil 4

28. November – 3. Dezember 2021


Dieser fortgeschrittene Teil der Ausbildung ist für diejenigen, die sowohl die Qualität ihrer Arbeit in der Sterbebegleitung, als auch ihr eigenes Bewusstsein vertiefen möchten, weil sie erkannt haben, dass Qualitäten wie Präsenz, Bewusstheit, Freiheit von Identifikation mit Gedanken und Konditionierungen, Frieden, authentische Empathie und Mitgefühl, Hingabe und Innere Stille einen unschätzbaren Wert haben und nur durch eine tief verstandene spirituelle Praxis und ihre Verkörperung im Leben möglich sind.

Meine Arbeit mit den Sterbenden war ein Privileg. Ich bin durch meine Teilnahme an diesem Prozess verwandelt worden, ich wurde "wacher für Gott", für das Mysterium. Mit Sterbenden zu arbeiten, bedeutet, wie Martin Buber es in einem anderen Zusammenhang ausdrückt, sich selbst als "Unergründlichkeit, die in das strömende Leben des Universums eingeschlossen ist", zu erkennen. Das Leben selbst offenbart sich in seiner unermesslichen und pulsierenden Pracht, jenseits von allem, was wir uns hätten vorstellen können, als unsere eigene ursprüngliche Natur. Die Verwandlung, deren Zeuge wir im Sterben werden, rückt tiefe Strömungen des Geistes in den Fokus, die uns immer getragen haben und immer tragen werden, nach innen und darüber hinaus, auf dem Weg der Rückkehr. Und auf dem Weg der Rückkehr werden diese tiefen Strömungen des Geistes zunehmend in unserem eigenen, das menschliche Leben krönenden Wesen aktiviert.


Betreuer der Sterbenden

Als Betreuer begegnen uns viele, die diese Risse in unserem Herzen auslösen, und uns wieder für das Leiden öffnen. Unsere Arbeit als Betreuer derer, die sterben, ist es niemals, die Wahrheit und Gegenwart des Leidens, der Vergänglichkeit und des Tod zu leugnen. Während wir berührt sind von diesen Realitäten der Existenz, erkennen wir, dass Mitgefühl eine moralische, soziale, psychologische, und spirituelle Notwendigkeit ist.
Aber um diese Arbeit zu tun, müssen wir die Aufmerksamkeit auf unser eigenes spirituelles Leben lenken, auf Ressourcen zur Unterstützung unserer Arbeit. Das ist der Grund, warum Betreuer eine wahre spirituelle Praxis haben sollten, so wie die Mitgefühlsmeditation, um die Kraft zu haben, und die Perspektive, den Schmerz anzuerkennen, in anderen und in uns selbst, und eine angemessene und transformative Beziehung zum Leiden durch Einsicht und Regulierung unserer Emotionen zu entwickeln.

Dies ist ein tiefgreifender Weg für diejenigen, die sich um Sterbende kümmern. Es ist der Weg, den die großen Heiler und Lehrer der Vergangenheit gegangen sind.
Und es ist ein Weg der seelischen Gesundheit, den Kliniker und Ärzte, Betreuerinnen und Betreuer Tag für Tag entdecken können, während sie sich um die Sterbenden kümmern. Es ist auch unter den Füßen eines jeden Menschen. Glücklicherweise leben wir in einer Zeit, in der die Wissenschaft validiert, was Menschen im Laufe der Jahrhunderte gewusst haben: dass Mitgefühl kein Luxus ist; es ist eine Notwendigkeit für unser Wohlbefinden, unsere Belastbarkeit und unser Überleben. Mögen wir in das Leben der Dinge sehen, und mögen wir den Mut haben, Mitgefühl zu verwirklichen.

Die sich abzeichnende Sicht des Sterbens als Prozess tiefer geistiger Verwandlung ist nichts anderes als ein Ausdruck einer gewaltigen und evolutionären Dynamik. Dieser Kurs mit seiner Sicht des Sterbeprozesses als ein von Gnade erfüllter Übergang ist ein Artefakt unserer Zeit. Er entsteht als eine Folge unserer größeren Bereitschaft, den Tod zu erforschen, ihn näher an unser Herz und unseren Verstand zu bringen, nicht mehr zu versuchen, die Realität unserer Sterblichkeit in Schach zu halten.
Sie entsteht, wenn wir als reifende Kultur beginnen, den Tod als Teil des Lebens anzunehmen und immer häufiger zulassen, dass unsere Lieben in unserer Mitte sterben und das Mysterium in unser Sein eindringen kann.
Bilder des Todes werden zunehmend mit Licht gefüllt. Das Sterben bewegt sich aus dem geflüsterten Schatten heraus und hinein in das Teilen mit offenen Augen, offen für Bilder von ausladender Strahlkraft.
Die Annäherung an den Tod erlaubt es uns, die Zerbrechlichkeit, die Vergänglichkeit des Menschseins mit großem Mitgefühl zu betrachten, mit respektvollem Verständnis für die Schwierigkeit des Menschseins.

INHALTE TEIL 4

  • Wir gehen weiter in das Mysterium von Leben und Sterben ein.
  • Mitfühlende Präsenz bei körperlichem Schmerz.
  • Meditation: Stille und Frieden finden und auf den Sterbenden übertragen.
  • Fürsorge für uns selbst in der Begleitung Sterbender.
  • Die Basis eines liebevollen Umgangs mit sich selbst. Qualitäten von Großzügigkeit, Verbundenheit, Vertrauen, Sinnhaftigkeit, Liebe und ein offenes Herz, Frieden, Begeisterung, Freiraum.
  • Empathie, Altruismus, und aufrichtiges Mitgefühl. Die essentielle Qualität von Mitgefühl entwickeln und vertiefen. Liebevolle Sorge für dich selbst, um empathischen Stress zu vermeiden, und die Fähigkeit, auch Grenzen zu setzen. Für wahres Mitgefühl sind Qualitäten wie Aufrichtigkeit, Selbstlosigkeit, Selbstliebe, Vertrauen und bedingungslose Präsenz absolut notwendig.
  • Viel offener Raum für Fragen und Antworten.
  • Ethik in der Arbeit mit Komapatienten.
  • Den Urgrund des Seins berühren.
  • Die Macht des Dienens am Menschen.
  • In Würde und selbstbestimmt sterben dürfen.
  • Das Herz und den Geist öffnen. Die Flamme des offenen Herzens.
  • Deine Seelenwerte verkörpern.
  • Präsenz in der Sterbebegleitung: Ohne Angst u. Abwehr der Wirklichkeit der Gegenwart begegnen.
  • Essenzielle Qualitäten wie Verletzlichkeit, Demut und Selbstlosigkeit entwickeln.
  • Die Angst vor dem Tod tiefer verstehen. Nur das getrennte Selbst fürchtet den Tod.
  • Aktuelle Infos über moderne Palliativmedizin und Umgang mit Schmerzen, eine der grossen Ängste vor dem Sterben.
  • Das wahre Selbst/der Urgrund des Seins: wie wir den Sterbenden darin unterstützen, seine/ihre wahre Natur zu erkennen. "Lass los, wer du zu sein glaubst, und werde das, was du immer gewesen bist."
  • Was wir am Ende für den "Anderen" tun müssen.
  • Die inneren Konflikte in wichtigen Entscheidungen, z.B. die lebensverlängernden Geräte abzustellen.
  • Mitfühlende Fürsorge und Selbstfürsorge in der Sterbebegleitung.
  • Die Einstellung des Nicht-Wissens.


Der Weg der Fürsorge für Sterbende und Menschen in Trauer als spirituelle Praxis
Es ist gut, anderen zu helfen, weil es niemanden gibt, der wirklich der Andere ist.
Wenn du anderen hilfst, hilfst du dir selbst, weil wir Teile des anderen sind,
Bestandteile des anderen. Wir sind miteinander verbunden.
Wenn ich dir helfe, glücklich zu sein, werde ich glücklich.
Wenn ich dir helfe, unglücklich zu sein, werde ich unglücklich.
Unser Leben ist hier miteinander verbunden.
Es ist ein Miteinander, wir sind nicht getrennt.
An der Peripherie mögen wir getrennt sein, im Zentrum sind wir eins.


Der Zusammenbruch des Lebens im Sterben
Doch die Liebe wird genug gewesen sein...

Wenn wir uns um einen sterbenden Menschen und seine Familie kümmern, stellt uns diese außergewöhnliche Praxis ins Zentrum des Unbekannten, Unvorhersagbaren, in den Zusammenbruch des Lebens. Das ist der Druck, dem wir standhalten. Körperliche Erkrankung, Schwäche von Körper und Geist, im Fadenkreuz der medizinischen Einrichtungen zu stehen, alles zu verlieren, worum der sterbende Mensch sich ein Leben lang bemüht hat- das ist der harte und zerreißende Strom des Sterbens. Ein Begleiter kann für all das Da sein, aber auch für die Wunder und Überraschungen des menschlichen Geistes. Und an jeder Biegung des Weges können wir lernen und sogar Kraft schöpfen. Sterbende zu begleiten ist wirklich eine Entdeckungsreise, wenn wir in sie hinein loslassen. Ganz gleich, ob wir professionelle oder familiäre Betreuer sind- wir wandeln auf einem Pfad, auf dem es keine Spuren gibt und der uns Demut und Ehrfurcht einflößt. Ob uns dieser Pfad gefällt oder nicht, die meisten von uns werden sich auf ihn wiederfinden – irgendwann werden wir uns nahestehende und andere Menschen, die im Sterben liegen, begleiten.

Wenn wir Glück haben, werden wir auch für unseren eigenen Tod da sein. Ein sterbender Mensch kann sich auf Wahrheit, Glaube und Hingabe als edle Begleiter einlassen. Er kann sich öffnen für die Gnade und Weite, die wie ein Fluss sind, der in den Ozean mündet, oder wie Wolken, die sich im Himmel auflösen.

Denn die Praxis des Sterbens ist die Praxis des Lebens – wenn wir das nur sehen könnten.

Je tiefer unser Einweg in diese Wahrheit ist, umso besser können wir für all jene Da sein, die im Sterben liegen, und ihnen unsere bedingungslose Liebe schenken.

Thornton Wilder sagt in seinem Buch "Die Brücke": „Bald aber werden wir alle sterben, und alles Angedenken der Menschen wird dann von der Erde geschwunden sein, und wir selbst werden für eine kleine Weile geliebt und dann vergessen werden. Doch die Liebe wird genug gewesen sein“.

Der gegenwärtige Moment ist der einzige Raum/ Zeit, in dem uns der Tod erwischen kann.

Das mentale Ego versucht, sich in der Vergangenheit oder in der Zukunft zu verstecken.

Viele der schwierigen und überwältigenden Gefühlszustände, mit denen wir zu tun haben, wenn unser mentales Ego mit unserer Sterblichkeit konfrontiert wird, haben daher mit der schmerzhaften Unmöglichkeit zu tun, in der Vergangenheit und/oder in der Zukunft zu leben.

Vor Jahrhunderten drückte es Chuang Tzu so aus: "Die Geburt eines Menschen ist die Geburt seines Kummers, je länger er lebt, desto dümmer wird er, weil seine Angst, den unvermeidlichen Tod zu vermeiden immer akuter wird. Welche Bitterkeit! Er lebt für das, was immer unerreichbar ist! Sein Durst nach dem Überleben in der Zukunft macht ihn unfähig, in der Gegenwart zu leben".

Wir werden von Angst getrieben. Ich höre diese Angst in so vielen Sterbenden, die sagen: "Aber ich habe das noch nie gemacht"... "Ich bin noch nie gestorben." "Was passiert?" "Wie stirbt ein Mensch?" "Was muss ich tun?" "Wie werde ich sterben?"
Wir sind verletzlich und daher ängstlich, genau an dem Punkt, an dem wir eine Grenze gezogen haben, glauben, dass sie real ist, und uns dann tief in das zurückziehen, was wir uns als die Sicherheit des Inneren vorstellen. Wir haben uns überhaupt nicht in die Sicherheit des "Inneren" zurückgezogen; wir haben unser "Selbst" einfach kleiner gemacht, indem wir uns in Angst und Abgrenzung zusammenziehen. Je mehr wir versuchen, vor der Angst wegzulaufen, desto größer und furchterregender wird sie.

Die Qualität von Präsenz, völlig in der Gegenwart mit dem Sterbenden zu sein, ist die wesentlichste Qualität, die wir in uns entwickeln können, um eine echte, seelische und mitfühlende Unterstützung in unsere Begegnung mitzubringen.

Beginn: Sonntag, 28. November 2021, 19.00 Uhr
mit dem Abendessen
Ende: Freitag, 3. Dezember 2021, 13.30 Uhr
mit dem Mittagessen, Abreise anschliessend
Kurskosten: CHF 700.00
Kost/Logis: CHF 540.00
Unterkunft in Mehrbettzimmern.

–> Zur Ausbildungsseite der Veranstalter

Anmeldung bitte –> direkt bei den Veranstaltern Veetman & Sukhi Masshöfer