Die Liebe nach Hause bringen zu sich selbst
Puja Richardson führt seit elf Jahren zusammen mit ihrem Mann Raja Tantra-Meditationsretreats für Paare im Waldhaus durch. Volle Kurse schon Monate voraus sind Zeugen anhaltenden Erfolgs. «Making Love» ist schon fast zu einer Art Label für einen neuen Weg in der Sexualität für Paare geworden. Seit vier Jahren bietet Puja auch Workshops für Singles an. Wie kommt's und worum geht's dabei?
Man kann dich ohne weiteres eine Pionierin tantrischer Arbeit für Paare nennen. Wie kam es dazu?
Tantra als Weg für Paare ist schon seit mehr als zwei Jahrzehnten mein Forschungsgebiet.
Tatsächlich begann ich aber zuerst bei der Körperarbeit, von der ich her komme, zu realisieren,
dass sich die Qualität meiner Massagen – der Berührung selbst wie auch der Heilungswirkung –
deutlich erhöhte, wenn ich selbst mit Entspannung arbeitete. So begann meine tantrische
Forschungsarbeit. Im Laufe der Zeit fokussierte ich mich mehr und mehr auf die Frage, wie ich in
meiner Beziehung Entspannung in die Sexualität bringen kann, was die Essenz von Tantra ist.
Als ich Anfang der neunziger Jahre nach Europa kam und mit Paaren zu arbeiten begann, bot
noch kaum jemand Workshops für Paare an! Binnen weniger Jahre gab es allerdings eine Vielzahl von Angeboten.
Warum bietest du jetzt einen Workshop für Singles an?
Viele Menschen sind in einer Sackgasse mit der konventionellen Art von Beziehung und Sexualität.
Ich höre viele sagen: «Ich kann gut alleine sein, doch sobald ich in einer Beziehung bin, wird's schwierig.»
Wir sind so sehr konditioniert, etwas zu tun, wenn wir in Beziehung gehen, dass wir dann oft nicht wissen wie zu sein.
Dieser Workshop vermittelt eine neue Perspektive, wie wir mit jemandem sein können, ohne uns selbst zu verlieren.
Der Kurs will neue Türen öffnen. Er hilft uns, uns selbst Mutter, Vater, FreundIn zu sein, indem er uns für die eigene innere Welt öffnet.
Das tantrische Verständnis, das ihr in den Retreats vermittelt, ist stark bezogen auf das Liebemachen mit einem Partner.
Was bleibt, wenn dieser Fokus wegfällt, in einem Kurs für Singles?
Tantra beginnt beim Individuum. Es geht darum, die Elemente des Tantra zu lernen. Der Workshop heisst «Tuning into Tantra».
Wenn jemand lernt, sich auf sich selbst einzutunen, dann kreiert er den «tantrischen Raum» in sich selbst. Das wiederum wird die
Person dafür öffnen, einen passenden Partner bzw. Partnerin zu finden, wenn sie es will. Darum geht es aber nicht in diesem Kurs.
Der Fokus liegt darauf, die Welt des eigenen inneren Körpers zu erforschen und die innere Freude, Liebe und Glückseligkeit
zu erleben, die in uns wohnt. Stille Phasen im Workshop werden dabei helfen, das Bewusstsein nach innen zu bringen.
Wir werden über Sexualität und Tantra sprechen und viel Körperarbeit machen, welche das Verständnis erdet und vertieft.
Tantragruppen für Singles haben tendenziell das Image, Tummelfeld für erotische Experimente und aufregende
Begegnungen zu sein. Wie gehst du mit dieser möglichen Erwartung um?
Die Perspektive, die ich vermittle, nimmt die Energie auf natürliche Weise von diesem Ziel weg. Wir neigen dazu,
sehr erregt zu werden und unsere ganze Aufmerksamkeit auf die andere Person zu richten, wenn wir uns begegnen.
Das Problem ist, dass wir dabei die Erdung und den Kontakt mit uns selbst verlieren. So kann keine wahre Begegnung
geschehen. Wirklicher Austausch ist erst möglich, wenn wir uns von einem inneren Platz aus begegnen, an dem wir zu
Hause sind. Tantra heisst, mich selbst so zu lieben, wie ich bin. Ich versuche nicht (mehr), ins Bild zu passen, von dem ich
glaube, dass die andern es von mir haben, insbesondere das Bild, wie ich als Mann oder Frau sein sollte. Ich lerne, die
Liebe von dieser äusseren Quelle zu lösen und sie zu mir selbst nach Hause zurück zu bringen.
Interview: Alexander Lanz
Zum Tantra-Workshop für Singles mit Puja: Tuning into Tantra
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