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Alexander Lanz & Sneha Ziegler Lanz: Der Liebe im eigenen Herzen vertrauen lernen

Sneha und Alexander sind seit vielen Jahren als Mitarbeiter im Waldhausteam tätig. Seit 2009 bieten sie Learning-Love-Wochenendeseminare zu spezifischen Themen an wie Grenzensetzen, Erwartungen in Beziehungen und Selbstvertrauen/Scham.

Man soll schlafende Hunde bekanntlich nicht wecken. In euren Seminaren geht es aber ja gerade um alte Muster, Erlebnisse und Erinnerungen.

Sneha: Grundsätzlich haben die Menschen, die in einen unserer Kurse kommen, schon «geweckte Hunde». Sie kommen meist mit einem dringenden Bedürfnis, alte Erlebnisse und Erinnerungen ins Bewusstsein zu holen und ihnen einen anderen Platz zuzuweisen.

Alexander: Der Grund für dieses Bedürfnis ist etwas, das in der Gegenwart nicht funktioniert: Beziehungskonflikte, energetische Krisen, Isolation, Suchtverhalten usw. Wir wecken nicht etwas, was sich nicht schon auf irgendeine Weise zeigt. Wenn wir mit der Vergangenheit arbeiten, geschieht dies nie als Selbstzweck, sondern um Blockaden zu lösen, um Heilung für das jetzige Leben einzuladen.

Was passiert, wenn mich die geweckten Hunde beissen? Wer hilft mir dann aus der Patsche?

A: Wir können lernen, mit Schmerz, Angst und Verunsicherung in unserem Leben zu sein, anstatt alles Mögliche – oft Destruktive – zu tun, um sie nicht zuzulassen. Deshalb bin es in erster Linie mal ich selbst, der mir aus der Patsche hilft.

S: Wir vermitteln Handwerkszeug, um mit den eigenen «beissenden Hunden» besser umgehen zu können. Wir zeigen Wege auf, wie wir alten Mustern und Glaubenssätzen Macht entziehen, unsere Ressourcen als Erwachsene stärken und Abstand zu unseren emotionalen Reaktionen gewinnen können. Die Methoden sind zuhause im Alltag umsetzbar. Und wie bei jeder Bewusstseinsarbeit gilt: Übung macht den Meister. Und manchmal ist zur Unterstützung auch eine vertiefende Einzelarbeit sinnvoll. Auch ermuntern wir Interessierte, sich in Kleingruppen für einen Austausch zu organisieren oder sich einen Rahmen zu suchen, wo sie sich mit Menschen treffen, die dieselbe Sprache sprechen und die gleiche Ausrichtung haben.

Ich möchte gerne noch ausführlicher wissen, was ich in euren Kursen lerne und erfahre.

A: Zum einen beginnst du innerlich Raum zu schaffen, um mit dem verletzlichen Teil zu sein, den wir «inneres Kind» nennen. Das innere Kind sehnt sich nach Zuwendung und Liebe und reagiert oft aus Angst aufgrund seiner Erfahrungen in der Vergangenheit. Es hält es fast nicht aus, wenn es diese Zuwendung von aussen nicht bekommt und versucht deshalb oft, das Gegenüber zu verändern. Damit sabotieren wir jedoch mit Sicherheit unsere Beziehungen. Wenn wir dies erkennen, beginnt die Eigendynamik unserer Verletzungen abzunehmen, und jeder kann mehr und mehr sich selbst sein und der Liebe im eigenen Herzen vertrauen.

Zum andern verbindest du dich mit deiner Kraft und Lebensenergie. Du aktivierst deinen Mut, kleine Risiken einzugehen. Du hörst auf, faule Kompromisse auf Kosten deiner Würde zu machen. Du fängst an, mehr das zu leben, was du wirklich leben willst.

Für mich klingt das, als würde ich bei euch lernen, auf den Egotrip zu gehen.

A: Ganz im Gegenteil: Es ist ein Egotrip, wenn ich andere dafür einzuspannen versuche, meine eigenen Bedürfnisse zu stillen. Richte ich hingegen den Fokus auf mich, dann übernehme ich Verantwortung für mich selbst und anerkenne, dass die andere Person ist, wie sie ist.

S: Der verletzte Teil in uns hat als Kind gelernt, bestimmte Strategien zu entwickeln, um Liebe und Anerkennung zu bekommen. Für uns als Erwachsene sind diese Strategien nicht mehr angemessen und nicht gesund. Wir brauchen die Fähigkeit, gesunde Grenzen zu setzen und für uns selbst sorgen zu können.

An wen richten sich eure Kurse?

S: An Singles genauso wie an Paare. Bei Paaren kann es von Vorteil sein, wenn beide gemeinsam diese Arbeit machen und dieselbe «Sprache» sprechen lernen. Und es ist genauso wertvoll, wenn nur der eine von beiden kommt.

A: Die einzige Voraussetzung ist die Bereitschaft, aufrichtig nach innen zu schauen, also ein Grundinteresse, zu erforschen, wie ich in Beziehungen funktioniere. Die Arbeit dreht sich nicht nur um Partnerschaft, sie ist gültig für Beziehungen jeder Art, seien es Beziehungen in der Familie, im Freundeskreis, im Beruf, zu Autoritäten usw.

Krishnananda und Amana Trobe sind eure «Zieh-Eltern» für die Learning-Love-Arbeit. Auch sie bieten weiterhin Workshops im Waldhaus an. Steht ihr nicht in direkter Konkurrenz mit ihrem Angebot?

S: Krishnananda und Amana sind in vielen Ländern, in denen sie Seminare anbieten, daran, Learnig-Love-Lehrer auszubilden und einzusetzen, die ihre Arbeit ergänzen und weiterführen. Es besteht deshalb keinerlei Konkurrenzsituation. Wir beide empfehlen nach wie vor die Seminare von Krish und Amana. Unsere Kurse erweitern das Angebot an Learning-Love-Arbeit im Waldhaus in verschiedener Hinsicht: Zusätzlich zu den fünf- oder sechstägigen Workshops von Krish und Amana bieten wir Wochenendseminare an, die es ermöglichen, bei geringerem zeitlichem und finanziellem Aufwand die Arbeit kennen zu lernen oder aufzufrischen. Dabei behandeln wir jeweils ein spezifisches Thema vertieft.

A: Wir arbeiten zudem mit kleineren Gruppen, was den Vorteil hat, dass viel Raum für jede einzelne Person zur Verfügung steht. Unsere Kurssprache ist Deutsch und manche Teilnehmende erleben es als Erleichterung, dass in ihrer Muttersprache kommuniziert wird. Als begeisterte Tänzer benützen wir Tanz und Bewegung als wichtige Elemente, um die Arbeit zu verstärken und zu vertiefen.

Was motiviert euch, als Paar Seminare anzubieten?

S: Wir verwenden oft die Metapher, dass unsere Beziehung ein gemeinsamer Garten ist, der uns nährt und erfreut , wenn wir ihn pflegen. Die Learning-Love-Arbeit hat uns gelehrt, wie wir dem Garten Sorge tragen können.

A: Und natürlich haben wir selber in unserer Partnerschaft mit Grundthemen zu schaffen wie: Wie nehme ich mir meinen Raum, wie bin ich ehrlich, wie kommuniziere ich aus dem Herzen, wie werde ich mir meiner Erwartungen bewusst? Wir sitzen, was das alltägliche Lernen und Wachsen angeht, im selben Boot wie die Teilnehmenden. Und wir haben beide erfahren, wie viel Qualität unsere Beziehung gewinnt, wenn wir immer wieder aufmerksam sind, innehalten und einen Weg suchen, der aus einer bewussten Wahl kommt und nicht aus einem emotionalen Reagieren.

S: Wir erleben das Verständnis, das uns diese Arbeit bringt, als derart unterstützend und hilfreich in unserem Zusammensein, dass wir unser Wissen und unsere Erfahrungen gerne weitergeben wollen.

Interview: Annette Müller
Veröffentlicht im WaldhausAktuell 2009